Haarausfall wird nicht durch Vitamin – Mangel, schlechte Durchblutung oder das Tragen von Hüten verursacht (Haarausfall – Guide Teil 2)

Ursachen für Haarausfall & Androgenetische AlopezieWenn Du immer wieder gehört hast, dass Haarausfall durch eine Unterversorgung mit Vitaminen, eine schlechte Durchblutung der Kopfhaut oder zu häufiges Tragen von Kopfbedeckungen verursacht wird, dann wird Dich überraschen zu hören, dass alle diese Theorien widerlegt wurden. Ebenso falsch:

- Ob man Haarausfall bekommen wird, kann man feststellen, indem man sich den Großvater und die Onkel mütterlicherseits anschaut – Quatsch

- Wenn Du mit 40 Jahren keinen Haarausfall hast, dann wirst Du nie darunter leiden – Blödsinn

- Täglich 100* mit einer Bürste durch die Haare zu fahren schützt vor Haarverlust – leider nein

Experten sind der Meinung, dass Haarausfall, oder Alopezie, in erster Linie durch eine Kombination aus Alterung, hormonellen Veränderungen und Vererbung (vonseiten beider Eltern) abhängt. Generell gibt es zwei Arten Haarausfall:

- Anagen Effluvium – Dauerhafter Haarausfall durch die Zerstörung der Haarfollikel

- Telogen Effluvium – Zeitweiliger Haarausfall, durch Beschädigung der Haarfollikel, die sich später regenerieren

Anagen Effluvium wird durch die Einnahme von Medikamenten verursacht, die die Wachstumszellen der Haarfollikel vergiften und dauerhaft zerstören, wie bei einer Chemotherapie. Telogen Effluvium tritt aufgrund einer großen Anzahl Haarfollikel auf, die gleichzeitig und frühzeitig in eine Erholungsphase eintreten. Die häufigsten Gründe für Telogen Effluvium sind:

- Physischer Stress: Operationen, Krankheiten, Anämien, schneller Gewichtsverlust
- Emotionaler Stress: Mentale Krankheiten, Tod eines Familienmitglieds
- Erkrankungen der Schilddrüse
- Medikamente: Hohe Dosierungen von Vitamin A (wie häufig in Abnehm – Medikamenten vorhanden), Medikamente gegen Bluthochdruck, Gicht – Medikamente
- hormonelle Veränderungen: Schwangerschaft, Anti – Babypille, Menopause

Androgenetische Alopezie

Bis zu 95 % der permanenten Haarausfall – Fälle werden durch androgenetische Alopezie verursacht, einer Form von Haarausfall, die Millionen Männer, Frauen und Kinder weltweit betrifft. Charakteristisch für diese Form von Haarausfall ist, dass sie in fortschreitenden Mustern auftritt. Bei Männern beginnt sie meistens mit einer zurückweichenden Haarlinie (Geheimratsecken, hohe Stirn) oder einer Ausdünnung des Kronenhaars. Mit der Zeit breitet der Haarausfall sich weiter auf dem gesamten Kopf aus bis in extremen Fällen nur ein hufeisenförmiger Haarkranz am Hinterkopf und an beiden Kopfseiten übrig bleibt (die sogenannte Halbglatze). Bei den Frauen verläuft der Haarausfall anders. In den vergangenen Jahren rückte das weibliche Muster in das Interesse der Wissenschaft, weil es, im Gegensatz zum männlichen Muster, im gesamten Kopfbereich zu einer gleichmäßigen Ausdünnung kommt. Meistens beginnt der Haarausfall bei Frauen etwa im Alter von 30 Jahren, verstärkt sich dann deutlich über 40 und wird bei Eintritt in die Menopause zu einem Problem.

Neben einem voranschreitenden Alter und der erblichen Veranlagung früh Haare zu verlieren (ein Zusammenhang, der sich als stärker erwiesen hat, als die Experten bislang annahmen), wird die androgenetische Alopezie durch eine Überproduktion des männlichen Hormons Dihydrotestosteron (DHT) innerhalb der Haarfollikel beschleunigt. DHT ist eine hochaktive Form von Testosteron, was maskuline Verhaltensweisen wie Aggressivität und Sexualtrieb steuert.

Verantwortlich für die Umwandlung von Testosteron in DHT ist ein Enzym, das 5-Alpha-Reduktase heißt und in der Prostata, der Kopfhaut und den Nebennieren gebildet wird. Mit der Zeit führt der Überschuss an DHT dazu, dass sich die Haarfollikel zurückbilden und die anagene Phase, also die Zeit, in der das Follikel Haare produziert, kürzer wird.

Technisch gesehen ist das Haarfollikel nach der Rückbildung noch lebendig und mit Blut versorgt. Das ist der Grund, warum ein transplantiertes Haar, das immun gegen die Effekte von DHT ist, durch das Follikel mit Nährstoffen versorgt und am Leben gehalten werden kann. Allerdings werden die Follikel mit der Zeit immer kleiner. Einige sterben ab, aber die Meisten schrumpfen einfach und produzieren immer schwächere Haare. Der immer kürzere Anagen – Wachstumszyklus führt dazu, dass mehr Haare ausfallen und die bleibenden Haare so dünn werden, dass sie den Einflüssen des Alltags nicht mehr gewachsen sind. Die Haare in den betroffen Arealen verändern sich Stück für Stück von langen, kräftigen, dicken Strähnen in der ursprünglichen Haarfarbe zu feinen, weißen und schwachen Haarbüscheln.

Weitere Artikel zu den behandelten Themen “Androgenetische Alopezie” und “Ursachen für Haarausfall”:

Androgenetische Alopezie (Anlagebedingter Haarausfall)
Erblich bedingter Haarausfall- permanent oder behandelbar?
Natürliche Mittel gegen Haarausfall – eine echte Alternative?

Andere Artikel aus der Serie “Der Haarausfall – Guide”:

Der Haarausfall – Guide – Teil 1: Einleitung

In der nächsten Folge des Haarausfall – Guides werden wir uns damit beschäftigen, welche Behandlungen es gegen die Androgenetische Alopezie gibt und was Alopecia Areata genau ist.